Informationen für Pädiater
Die häufigste Ursache für Schnarchen bei Kindern ist die adenoiden Vegetation im Nasenrachenraum (Polypen) und die Tonsillenhyperplasie. In seltenen Fällen kommt eine Kiefermissbildung mit starker Retrognathie vor.
Die Tonsillotomie hat heute einen hohen Stellwert in der Behandlung und hat bei entsprechender Indikation die Tonsillektomie abgelöst. Der Verfasser hat seit 1995 über 1500 Kinder tonsillotomiert, postoperativ sank die Nachblutungsgefahr von 1% bei der Tonsillektomie auf 0,02 bei der Tonsillotomie.
Wachstumssteigerung nach der Behandlung
Ein Beispiel dafür liefert die Zwillingsschwester, die ich 1995 wegen Schnarchen und Schlafapnoe mit einem zeitlichen Abstand von 6 Monaten operiert habe.
Das operierte Mädchen hat postoperativ im Vergleich zu ihrer Schwester 8 cm zugelegt. Das zweite Mädchen hat die gleiche positive Entwicklung nach Durchführung ihrer Tonsillotomie nachgeholt. Das Zwillingspaar ist heute 19 Jahre alt. Beide Mädchen sind gleich gross.
Schlechtere Noten für schnarchende Kinder
Wissenschaftler aus der Universitätskinderklinik Tübingen und der medizinischen Hochschule Hannover wollten den Zusammenhang zwischen Schnarchen, Hyperaktivität, Tagesmüdigkeit und aggressivem Verhalten erforschen. Sie haben bei einer grossangelegten Studie 1144 Drittklässler (Alter 8-9 Jahre) aus 27 Grundschulen untersucht.
Die Eltern erteilten anhand von Fragebögen Auskunft darüber, ob ihre Kinder schnarchten und ob sie Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität, Konzentrationsmangel, Tagesschläfrigkeit und Einschlafneigung in der Schule und vor dem Fernseher zeigten.
Als „habituell – gewohnheitsmäßig“ schnarchend wurden Kinder definiert, bei denen die Eltern die Frage nach dem Schnarchen mit „häufig“ oder „immer“ beantworteten.
Als Kontrollgruppe dienten Kinder, die niemals schnarchten.
Dabei zeigte sich, dass habituell schnarchende Kinder schlechtere Leistungen in der Schule erbrachten. Das Risiko für schlechte Schulleistungen stieg proportional zur Häufigkeit des Schnarchens an. Nur 16% der Schüler, die niemals schnarchten erhielten eine schlechte Note in der Mathematik, bei häufig schnarchenden Kindern waren es 28%; bei ständig schnarchenden Schülern hatten 50% im letzten Zeugnis eine 4, 5 oder 6 in der Mathematik gehabt.
Signifikante Verbesserung nach der Therapie
Hier wurden die Kinder, bei denen eine Therapie erfolgte langfristig begleitet und kontrolliert. Gleichzeitig wurden die Eltern der nicht therapierten Kinder nach den gleichen Symptomen befragt.
Die Kinder, die nicht mehr schnarchten, litten nicht mehr unter Hyperaktivitäten und Konzentrationsstörungen. Auch hinsichtlich der Tagesschläfrigkeit (Einschlafen vor dem Fernseher und in der Schule) war eine rückläufige Tendenz zu verzeichnen.
Von der anderen Seite litten die nicht therapierten Kinder nicht nur nach wie vor an Hyperaktivität und Konzentrationsmangel, sondern hatten auch viel mehr emotionale Probleme und Schwierigkeiten mit Klassenkameraden als ihre nicht schnarchenden Mitschüler.
Schnarchen wirkt sich also offensichtlich auch auf das soziale Verhalten von Kindern aus.
Schuld ist wahrscheinlich der gestörte Schlaf
Um herauszufinden, warum das Schnarchen zu solchen Problemen führt, wurden bei den Kindern eine Nacht lang Pulsfrequenz und Sauerstoffgehalt des Blutes aufgezeichnet. Dabei zeigte sich, dass die schlechten Schulleistungen der schnarchenden Kinder offenbar nicht
- wie früher angenommen wurde – auf Sauerstoffmangel aufgrund der gestörten Atmung im Schlaf zurückzuführen waren: wenn auch schnarchende Kinder mit normalen nächtlichen Sauerstoffwerten schlechtere Leistungen in der Schule zeigten.
Es wird eher angenommen, dass durch das Schnarchen der Schlaf der Kinder gestört wird und dass die Probleme dadurch entstehen. Dafür spricht auch, dass das Schnarchen mit häufigen Veränderungen der Pulsfrequenz einherging.
Die Ergebnisse dieser geleiteten Untersuchung wurden in „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ (2003, 168:464-468) veröffentlicht.

